Mantren Die Tafeln Zweite Tafel

Aus den Weltentiefen:

Erkenne erst den ernsten Hüter,Der vor des Geisterlandes Pforten steht,Den Einlass deiner SinnenkraftUnd deines Verstandes Macht verwehrend,Weil du im SinneswebenUnd im GedankenbildenAus Raumeswesenlosigkeit,Aus Zeiten TruggewaltenDes eignen Wesens WahrheitDir kraftvoll erst erobern musst.

Hinweis zu T2

Zweite Tafel – Aus den Weltentiefen

Aus denselben Weltentiefen, aus denen das Weltenwort tönt, kommt eine zweite Stimme: der Hüter steht vor den Pforten des Geisterlandes und verwehrt dem Menschen mit bloßer Sinnenkraft und Verstandes-Macht den Einlass. Die Wahrheit über das eigene Wesen muss erst kraftvoll erobert werden – jenseits von Raumeswesenlosigkeit und Truggewalten der Zeit.

Das zehnzeilige Mantram bezeichnet die Schwelle der geistigen Welt und bildet die zweite der drei Rahmen-Tafeln. Dem Weltenwort (Erste Tafel) folgt aus denselben Weltentiefen die Hüter-Stimme. Der Hüter weist auf den Ernst des Erkennens: alle Erkenntnis ohne die Empfindung dieser Schwellengestalt ist keine wirkliche Erkenntnis. Im Sinnesweben und Gedankenbilden hat der Mensch nur Bilder, Schein, Truggewalten – jenseits warten lebendiges Denken und das eigene wahre Wesen. Erstmals in der Dreizehnten Stunde gesprochen, in der Achtzehnten als ‹zweite Tafel› ausdrücklich benannt; in der Fünften und Sechsten Wiederholungsstunde meditativ ausgelegt – dort öffnen sich das Bild der drei Tiere und die Dreiheit von Denken, Fühlen, Wollen.

  • Das Mantram setzt unmittelbar dort an, wo das Weltenwort endet: Hat der Mensch gehört, wie aus den Tiefen der Welt die Frage ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› an ihn ergeht, so erfährt er sogleich, dass diese Selbsterkenntnis nicht im gewohnten Bewusstsein zu haben ist. ‹Aus denselben Weltentiefen› klingt es weiter, sagt Steiner in der Dreizehnten Stunde – und stellt damit die Zweite Tafel als Antwort und Verschärfung der Ersten neben sie.
  • Der Hüter der Schwelle hindert nicht aus Strenge, sondern aus Wahrheit. Sinneskraft und Verstandes-Macht verfehlen, was jenseits liegt: sie weben in einem Raum, der – am Wesen der geistigen Welt gemessen – wesenlos ist, und sie bilden Gedanken in einer Zeit, die als Truggewalt erscheint. Erst wer dies durchschaut, kann am Hüter vorüber. Erkennen ist also nicht ein müheloses Hinüberblicken, sondern ein eroberndes Sich-Verwandeln.
  • In der Achtzehnten Stunde stellt Steiner die drei Tafeln zum ersten Mal ausdrücklich zusammen: nach dem Weltenwort heißt es ‹Nun näherten wir uns dem Hüter. Die zweite Tafel ist da›, und anschließend folgt das Gegenwort als dritte. Damit ist die Trias gesetzt, die das Klassen-Werk gliedert: Weltenwort – Hüter-Wort – Christus-Gegenwort.
  • In der Fünften Wiederholungsstunde wird das Hüter-Mantram zum Ausgangspunkt einer ausführlichen Meditation: der Hüter zeigt die drei Tiere als elementarische Verkörperungen des toten Denkens (Knochengespenst), des vererbten Fühlens (Spottlust) und des verzehrenden Wollens; und er zeigt zugleich, dass an der Schwelle Denken, Fühlen und Wollen, die im Leibe ineinanderverwoben sind, sich trennen – der Mensch wird im Hinüberschreiten zur Dreiheit. In der Sechsten Wiederholungsstunde fügt sich dieser Befund in das ‹Schau die Drei›-Mantram und in die drei Siegelgesten des Hüters.
  • Das Mantram steht im App-Kommentar 13.2 als eigenständige Strophe der Dreizehnten Stunde und ist über die Zweite Tafel als Rahmen-Tafel mit dem Weltenwort (Erste Tafel) und dem Christus-Gegenwort (Dritte Tafel) verknüpft.

Nun näherten wir uns dem Hüter. Die zweite Tafel ist da.

GA 270b, Achtzehnte Stunde (12.7.1924), S. 189

Daher nehmet auf, meine lieben Schwestern und Brüder, in Eure Herzen dasjenige, was Euch geben kann eine Vorempfindung dieser ernsten Gestalt, die da steht zwischen dem Nichterkennen und dem Erkennen.

GA 270c, Fünfte Wiederholungsstunde (15.9.1924), S. 215

Parallelstellen

Dreizehnte Stunde · Dornach · 1924-05-17 · GA 270b, S. 89–90 Wiederholung in Stunde 18

In der Dreizehnten Stunde erstmals an die Tafel geschrieben und gesprochen, unmittelbar nach dem Weltenwort. In der Achtzehnten Stunde (12.7.1924) bezeichnet Steiner es ausdrücklich als ‹die zweite Tafel›. In der Fünften und Sechsten Wiederholungsstunde (15./17.9.1924) wird das Mantram meditativ entfaltet: der Hüter weist auf das Licht jenseits der Finsternis, auf die drei Tiere und auf die Dreiheit von Denken, Fühlen und Wollen.

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