Sechste Wiederholungsstunde
Einleitung
Meine lieben Freunde, Schwestern und Brüder! Für die neu Eingetretenen sei gesagt, dass die Einleitung über Wesen und Pflicht der Schule nicht jedes Mal gesprochen werden kann; sie ist ihnen von denen mitzuteilen, die ihnen die Sprüche geben. Wir beginnen wiederum mit dem .
Weltenwort
Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›mehr
Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Rückblick – die Einheit von Denken, Fühlen, Wollen
Der Geistesweg hat uns bis an den des Seins geführt, vorbei am , hinüber in die noch nachtbedeckte Finsternis, in der es hell werden soll. Im Augenblick des Hinübergehens geschieht eine bedeutsame Veränderung: Im physischen Erdenleben sind Denken, Fühlen, Wollen innig verwoben – wir sind eins. Wirklich wachend sind wir nur im Denken (hell, klar, doch ); dunkler und traumhaft lebt das Fühlen; das Wollen ruht wie im Tiefschlaf.
Abgrund
Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.mehr
Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›Hüter
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›Schein
Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.mehr
GA 270b, Sechzehnte Stunde.Die Spaltung in Dreie – Licht (Denken), Feuer (Wollen), Fühlen dazwischen
Beim Übergang über die löst sich diese Einheit: Im Weltenall sind wir Dreie. Das webende, lebende Denken gehört nun der Welt an – Licht um Licht webt es sich aus der Finsternis (oben). Das Wollen tritt als dunkles, warmes Feuer entgegen (unten). Dazwischen wogt das Fühlen: lichtdurchglänzte Wärme hinauf, wärmedurchfühltes Licht hinunter. Der Kopf bildet die Weltgestalt nach, das Herz schlägt im Weltenschlag, die Glieder tragen Weltenkraft. So spricht der Hüter ‹Schau die Drei, Sie sind die Eins …› mit den drei Siegelzeichen (Kopf/Herz/Glieder).
Schwelle
Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.mehr
Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›‹Schau die Drei …› (270c-Fassung mit Siegelzeichen; vgl. App 7.1 ‹O schau die Drei›)
Schau die Drei,
Sie sind die Eins,
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst.
Erlebe des Kopfes Weltgestalt
[Zeichen: nach oben gerichtetes Dreieck]
Empfinde des Herzens Weltenschlag
[Zeichen: zwei mit den Spitzen verbundene Dreiecke]
Erdenke der Glieder Weltenkraft
[Zeichen: nach unten gerichtetes Dreieck]
Sie sind die Drei,
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.
Des Hüters letzte Mahnung – Kopf/Herz/Glieder
Die letzte Mahnung des Hüters: Den Geist des Kopfes kann man wollen (statt nur denken) – dann wird Wollen ‹der Sinne vielgestaltig Himmelsweben›, man webt in der Weisheit. Die Seele des Herzens kann man fühlen – Fühlen wird ‹des Denkens Wollens, Wollens Denkens keimerweckend Weltenleben›, man lebt im Schein (Gloria). Die Kraft der Glieder kann man denken – Denken wird ‹des Wollens zielerfassend Menschenstreben›, man strebt in der Tugend. Steigerungen: webest/lebest/strebest – Weisheit/Schein/Tugend.
Wiederholung – ‹Des Kopfes Geist, du kannst ihn wollen …› (vgl. Siebte Stunde, App 7.2)
Des Kopfes Geist,
Du kannst ihn wollen;
Und Wollen wird dir
Der Sinne vielgestaltig Himmelsweben;
Du webest in der Weisheit.
Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir
Des Denkens keimerweckend Weltenleben;
Du lebest in dem Scheine.
Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken;
Und Denken wird dir
Des Wollens zielerfassend Menschenstreben;
Du strebest in der Tugend.
Das Tor-Wort – wie von Michael aus Weltenfernen
Dann erklingt – wie von , wie aus Weltenfernen – das Wort, das objektiv gehört werden soll, als käme es von anderer Seite, mit roter Kreide quer zum ‹Schau die Drei›- an die Tafel geschrieben: ‹Tritt ein / Das Tor ist geöffnet / Du wirst / Ein wahrer Mensch werden.›
Michael
Der Erzengel, dessen ‹Zeitalter› nach Steiner 1879 begann. Die Erste Klasse versteht sich als seine Schule.mehr
Im Mantram der Ersten Wiederholungsstunde steht das Michael-Zeichen mit den drei Siegelgesten: ‹Ich verbinde mich dem Geiste — Ich liebe den Sohn — Ich bewundere den Vater.› GA 270c, Tafeltexte der Ersten Wiederholungsstunde.Mantram
Verdichtete Sprüche, die in den Klassenstunden gesprochen und an die Tafel geschrieben wurden. Sie sind keine Lehrsätze, sondern Meditationssubstanz.mehr
Steiner war es ausdrücklich nicht um das Gedächtnis zu tun: ‹Ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche.› Die Mantren wirken durch wiederholtes inneres Erleben, nicht durch Lernen. Daher die Bedeutung der Stimmung — ‹Ernstes, Feierliches, Weihevolles›. GA 270a, Vierte Stunde.Wiederholung – ‹Tritt ein / Das Tor ist geöffnet …› (vgl. Siebte Stunde, App 7.3)
Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.
Schlusswiederholung – Das Weltenwort
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Wandtafel – ‹Schau die Drei› mit Siegelzeichen und ‹Das Tor ist geöffnet›
Die Tafel der Sechsten Wiederholungsstunde: das ‹Schau die Drei›-Mantram mit den drei Siegelzeichen für Kopf (Dreieck nach oben), Herz (Sanduhr) und Glieder (Dreieck nach unten), dazu in roter Schrift quer das Tor-Wort. Das Datum ‹17. Sept. 24› bestätigt die Zugehörigkeit zur Sechsten (nicht Zweiten) Wiederholungsstunde.