Mantren Siebente Wiederholungsstunde Dornach · 1924-09-20 · GA 270c, S. 141–165

Siebente Wiederholungsstunde

Dornach · · GA 270c, S. 141–165

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Einleitung – die Michael-Schule, der Michael-Wille, der Ernst der Schule

Meine lieben Schwestern und Brüder! Seit der Weihnachtstagung geht ein esoterischer Zug durch die ganze Anthroposophische Gesellschaft. Eine esoterische Schule kann nicht aus menschlicher Willkür geschaffen werden; sie muss der Leib von etwas sein, das aus dem geistigen Leben selbst fliesst. Daher wurde der
Michael Der Erzengel, dessen ‹Zeitalter› nach Steiner 1879 begann. Die Erste Klasse versteht sich als seine Schule.
mehr Im Mantram der Ersten Wiederholungsstunde steht das Michael-Zeichen mit den drei Siegelgesten: ‹Ich verbinde mich dem Geiste — Ich liebe den Sohn — Ich bewundere den Vater.› GA 270c, Tafeltexte der Ersten Wiederholungsstunde.
-Wille befragt, der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die geistigen Angelegenheiten der Menschheit führt (in zyklischer Folge der Erzengel: Michael – Oriphiel – Anael – Zachariel – Raphael – Samael – Gabriel – wieder Michael). Wo Michael-Wille herrscht, ist Kosmopolitismus; das Differenzierende wird überwunden. Was diese Stunden enthalten, ist die Michael-Botschaft für unser Zeitalter; sie verlangt heiligen Ernst und würdige Repräsentanz – seit dem kurzen Bestand der Schule mussten gegen achtzehn bis zwanzig Ausschliessungen erfolgen. Die Sprüche sind nur für rechtmässige Mitglieder; Weitergabe bedarf der mündlichen Erlaubnis (Frau Dr. Wegman oder Rudolf Steiner) für jede Person einzeln; unrechtmässig weitergegebene Sprüche verlieren – wie ein Beispiel mit einem hellsichtigen Freund zeigte – für alle ihre Wirksamkeit.
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Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das
Weltenwort Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
mehr Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.
.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
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Rückblick – das geöffnete Tor, der Blick zurück von jenseits der Schwelle

Die vorige Stunde schloss mit dem
Hüter Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.
mehr Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›
-Wort ‹Tritt ein / Das Tor ist geöffnet / Du wirst / Ein wahrer Mensch werden›. Alles, was der Hüter in Michaels Auftrag gesprochen hat, war Vorbereitung auf die Stimmung, die man braucht, wenn man – auf erflogenen Seelenflügeln – über den
Abgrund Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.
mehr Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›
des Seins hinüberkommt. Jetzt wird beschrieben, was der Mensch jenseits des Abgrundes erlebt.
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Erstes Wort – hinter dem Denken: Wollen aus Leibestiefen (Merkbild Mondessichel)

Der Hüter heisst umkehren und zurückschauen: Man erblickt den eigenen Erdenmenschen drüben, im verlassenen Erdbezirk. In den Kopf hineingesehen ist es wie eine finstere Zelle – das Erdendenken ist blosser
Schein Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.
mehr GA 270b, Sechzehnte Stunde.
, Leichnam des lebendigen, vorgeburtlichen Denkens. Doch hinter dem Schein strömt Wollen aus Leibestiefen herauf, das aus früheren Erdeninkarnationen herüberwirkt und uns erst zum Denker macht; in der finsteren Kopfeszelle wirken die schaffenden Weltgedanken. Daher das erste Wort: ‹Sieh hinter des Denkens Sinneslicht …›. Merkbild: die Mondessichel mit Pfeil (das aus vorigem Erdendasein Herüberkraftende).
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Zweites Wort – im Fühlen: Leben aus Weltenfernen (Merkbild Sonne)

Mit kräftigerer Gebärde weist der Hüter auf das Fühlen: ein Träumedämmern, in dem nicht nur der einzelne Mensch, sondern das ganze umliegende Weltendasein träumt. Lässt man durch Herzensruhe das Menschenfühlen verwehen wie das Träumen im Tiefschlaf, erscheint die weltenschöpferische Macht, die im Fühlen lebt. Daher das zweite Wort: ‹Sieh in des Fühlens Seelenweben …›. Steiner deutet die Wortsteigerung: ‹hinter› → ‹in›; ‹Sinneslicht› → ‹Seelenweben› (viel realer als blosser Schein); ‹Wollen aus Leibestiefen› → ‹Leben aus Weltenfernen›; ‹fliessen lassen› → ‹verwehen lassen›; ‹Weltgedankenschaffen› → ‹Menschenwesensmacht›. Merkbild: das im Kreise gedrehte graue Bild, hinter dem die Sonne erscheint (Zusammenziehung des Ätherleibs beim Erdeneintritt).
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Drittes Wort – über dem Wollen: Denken als Willenszauberwesen (Merkbild Erde)

Schliesslich weist der Hüter auf das Wollen in den Gliedern, das im Wachen verschlafen wird. Schaut man es zuerst im Schlafzustand, findet man, wie das Denken sich aus Haupteskräften herabsenkt und – mit den von unten aufströmenden Schwerkräften verbunden – das Wollen erhellt: das Denken erscheint als Willenszauberwesen, wirklich magische Wirkung. Daher das dritte Wort: ‹Sieh über des Wollens Leibeswirken …›. Merkbild: die Erde als Kreisbogen, deren Schwerkräfte in Füsse und Arme hineinleuchten (eine Ahnung vom Zusammenwirken der Götter mit Menschen zwischen Tod und neuer Geburt zur Bewerkstelligung des
Karma Schicksalszusammenhang zwischen den Inkarnationen. Steiner sprach es nach der Stenogramm-Notiz stets als ‹Kärma›.
mehr Im zweiten Stadium nach dem Tod (Mantram ‹Was wird aus des Feuers Reinigung …›) erlebt der Mensch rückwärts, was andere durch ihn erlitten haben — ‹in seiner gerechten Sühne›. Im dritten Stadium arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Karma-Ausarbeitung. GA 270b, Vierzehnte Stunde.
).
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‹Sieh hinter des Denkens Sinneslicht …› (270c-Fassung; vgl. Achte Stunde, App 8)

Sieh hinter des Denkens Sinneslicht,
Wie in der finstern Geisteszelle
Wollen sich hebt aus Leibestiefen;
Lasse fließen durch deiner Seele Stärke
Totes Denken in das Weltennichts;
Und das Wollen, es erstehet
Als Weltgedankenschaffen.
* * *
Sieh in des Fühlens Seelenweben,
Wie in dem Träumedämmern
Leben aus Weltenfernen strömet;
Laß in Schlaf durch die Herzensruhe
Menschenfühlen still verwehen;
Und das Weltenleben geistert
Als Menschenwesensmacht.
* * *
Sieh über des Wollens Leibeswirken,
Wie in schlafende Wirkensfelder
Denken sich senkt aus Haupteskräften;
Laß durch die Seelenschau zu Licht
Menschenwollen sich verwandlen;
Und das Denken, es erscheinet
Als Willenszauberwesen.
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Schlusswiederholung – Das Weltenwort

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
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Michael-Zeichen und Siegelgesten zum Schluss

Stets schliesst sich der Kreis – zurück zum Weltenwort. Michael ist anwesend; bekräftigt durch sein Zeichen und sein Siegel auf dem dreifachen Rosenkreuzer-Spruch ‹Ex deo nascimur / In Christo morimur / Per spiritum sanctum reviviscimus› mit den drei
Siegelgesten Drei Gebärden, die zum Michael-Zeichen gehören: ‹Ich verbinde mich dem Geiste / Ich liebe den Sohn / Ich bewundere den Vater›.
mehr GA 270c, Erste Wiederholungsstunde.
und ‹Ich bewundere den Vater / Ich liebe den Sohn / Ich verbinde mich dem Geiste›.
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Tafeltexte der Siebenten Wiederholungsstunde

Tafeltexte der Siebenten Wiederholungsstunde Der Hüter wird in der sich hellenden Finsternis gehört also:
Sieh hinter des Denkens Sinneslicht, Wie in der finstern Geisteszelle Wollen sich hebt aus Leibestiefen; Lasse fließen durch deiner Seele Stärke Totes Denken in das Weltennichts; Und das Wollen, es erstehet Als Weltgedankenschaffen.
* * *
Sieh in des Fühlens Seelenweben, Wie in dem Träumedämmern Leben aus Weltenfernen strömet; Laß in Schlaf durch die Herzensruhe Menschenfühlen still verwehen; Und das Weltenleben geistert Als Menschenwesensmacht.
* * *
Sieh über des Wollens Leibeswirken, Wie in schlafende Wirkensfelder Denken sich senkt aus Haupteskräften; Laß durch die Seelenschau zu Licht Menschenwollen sich verwandlen; Und das Denken, es erscheinet Als Willenszauberwesen.
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Editorische Hinweise (Unterstreichungen; Seelenweben/Seelenwehen)

Editorische Hinweise (GA 270c): Auf der Originaltafel ist in der ersten Zeile der ersten Strophe auch ‹Sinneslicht› unterstrichen; es fehlen die Unterstreichungen von ‹fließen› (erste Strophe) sowie ‹Wollens› und ‹verwandlen› (dritte Strophe). Zur zweiten Strophe: In der Achten Stunde (erster Band, GA 270a) wurde an die Tafel geschrieben nicht ‹Seelenweben›, sondern ‹Seelenwehen›; ferner nicht ‹strömet›, sondern ‹strömt› (vgl. App-
Mantram Verdichtete Sprüche, die in den Klassenstunden gesprochen und an die Tafel geschrieben wurden. Sie sind keine Lehrsätze, sondern Meditationssubstanz.
mehr Steiner war es ausdrücklich nicht um das Gedächtnis zu tun: ‹Ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche.› Die Mantren wirken durch wiederholtes inneres Erleben, nicht durch Lernen. Daher die Bedeutung der Stimmung — ‹Ernstes, Feierliches, Weihevolles›. GA 270a, Vierte Stunde.
8, Kommentar 8.3). An der Tafel steht neben dem oberen Siegelzeichen versehentlich ‹Ich verbinde dem Geiste› statt ‹Ich verbinde mich dem Geiste›.
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Wandtafel – die drei Merkbilder, Menschengestalt, Michael-Siegel

Die Tafel der Siebenten Wiederholungsstunde mit den drei Merkbildern (Mondessichel/Karma zur ersten Strophe, sich drehendes Sonnenbild zur zweiten, Erden-Kreisbogen mit aufsteigenden Schwerkräften zur dritten), der zurückgeschauten Menschengestalt mit den roten Willensströmen und dem Michael-Siegel über dem dreifachen Rosenkreuzer-Spruch.
Wandtafel Rudolf Steiners vom 20. September 1924: links die drei Merkbilder zu den Strophen (rote Spirale mit Pfeil und ‹I› = Mondessichel/Karma; ‹II› als Sanduhrzeichen; weisse Menschenfiguren über einem Erden-Kreisbogen mit ‹III›); in der Mitte eine Menschengestalt mit roten Willensströmen zum Haupt; rechts die gelbe Mondsichel und das Michael-Siegel (liegendes Kreuz/Raute) mit ‹Ich verbinde dem Geiste / Ich liebe der Sohn / Ich bewundere den Vater›; unten rechts das Datum ‹20. Sept.›.
GA 270i, Wandtafelzeichnungen, Tafel zur Siebenten Wiederholungsstunde (20.9.1924).

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