Mantren Die Tafeln Dritte Tafel

Aus den Seelentiefen:

Ich trat in diese Sinnes-Welt,Des Denkens Erbe mit mir führend,Eines Gottes Kraft hat mich hereingeführt.Der Tod, er steht an des Weges Ende.Ich will des Christus Wesen fühlen.Es weckt in Stoffes-Sterben Geist-Geburt.Im Geiste find' ich so die WeltUnd erkenne mich im Weltenwerden.

Hinweis zu T3

Dritte Tafel – Aus den Seelentiefen

Nach Hüter-Wort und Schwellengang spricht aus den Tiefen der eigenen Seele andächtig das Gegenwort: das Ich tritt in die Sinneswelt, vom Erbe des vorirdischen Denkens und einer Gotteskraft hereingeführt, mit dem Tod am Wegesende. Wer das Christus-Wesen fühlt, weckt im Sterben des Stoffes die Geist-Geburt – und erkennt sich im Weltenwerden.

Das achtzeilige Mantram ist die dritte und letzte Rahmen-Tafel des Klassen-Zyklus. Aus den Weltentiefen tönte das Weltenwort (Erste Tafel), aus den Weltentiefen mahnte der Hüter (Zweite Tafel) – die Dritte Tafel kommt nicht von außen, sondern andächtig aus den Tiefen der Seele heraus. Sie ist die menschliche Antwort: das Bekenntnis zum Erdengang, das Mitführen des Denkens-Erbes aus dem Vorirdischen, die Christus-Wendung im Tod und das Wiederfinden seiner selbst im Weltenwerden. Vier Zeilen führen herab in die Inkarnation, vier Zeilen steigen durch den Christus zur kosmischen Selbsterkenntnis auf. Erstmals in der Dreizehnten Stunde gesprochen, in der Achtzehnten Stunde im Anschluss an die zweite Tafel als dritter Tafelspruch gestellt.

  • Anders als Weltenwort und Hüter-Mahnung kommt die Dritte Tafel nicht aus den Weltentiefen, sondern aus den Tiefen der eigenen Seele. Steiner sagt es ausdrücklich in der Dreizehnten Stunde: ‹Wenn wir solches gehört haben, kann in uns andächtig das Gegenwort aus den Tiefen unserer Seele heraus sprechen›. Es ist das Wort, mit dem der Mensch dem Welten- und Hüter-Wort antwortet.
  • Das Mantram hat eine klare zweigliedrige Bewegung. Die ersten vier Zeilen tragen die Inkarnation: das Ich tritt in die Sinneswelt, führt das Denkens-Erbe aus dem vorirdischen Dasein mit sich, wird von einer Gotteskraft hereingeführt, weiß den Tod am Ende des Weges stehen. Die letzten vier Zeilen tragen die Wendung: ‹Ich will des Christus Wesen fühlen› – im Sterben des Stoffes erwacht die Geist-Geburt; im Geiste findet der Mensch die Welt und erkennt sich im Weltenwerden.
  • Die Christus-Wendung ist tragend. Erst durch den Christus-Bezug verwandelt sich das Sterben des Stoffes zur Geist-Geburt – nicht durch eine Verneinung des Erdenganges, sondern durch dessen Annahme und Durchdringung. Die Dritte Tafel ist darum kein Rückzug aus der Sinneswelt, sondern ihre Christianisierung von innen her.
  • In der Achtzehnten Stunde stellt Steiner Weltenwort, Hüter-Wort und Christus-Gegenwort zum ersten Mal als geschlossene Trias zusammen: nach dem Weltenwort heißt es ‹die zweite Tafel ist da›, dann folgt das Schwellen-Gespräch, und schließlich – ‹da schauen wir herüber, hinüber in die Sinneswelt, da fühlen wir gegenüber dieser Sinneswelt die Worte› – die Dritte Tafel. Damit ist der Rahmen vollständig.
  • Das Mantram steht im App-Kommentar 13.3 als eigenständige Strophe der Dreizehnten Stunde und ist über die Dritte Tafel mit dem Weltenwort (Erste Tafel) und dem Hüter-Wort (Zweite Tafel) zur Trias verknüpft.

Wenn wir solches gehört haben, kann in uns andächtig das Gegenwort aus den Tiefen unserer Seele heraus sprechen.

GA 270b, Dreizehnte Stunde (17.5.1924), S. 89

Da schauen wir herüber, hinüber in die Sinneswelt, da fühlen wir gegenüber dieser Sinneswelt die Worte.

GA 270b, Achtzehnte Stunde (12.7.1924), S. 190

Parallelstellen

Dreizehnte Stunde · Dornach · 1924-05-17 · GA 270b, S. 90 Wiederholung in Stunde 18

In der Dreizehnten Stunde unmittelbar nach dem Hüter-Wort gesprochen: ‹Wenn wir solches gehört haben, kann in uns andächtig das Gegenwort aus den Tiefen unserer Seele heraus sprechen›. In der Achtzehnten Stunde steht es im Anschluss an die als ‹zweite Tafel› benannte Hüter-Strophe und schließt die Tafel-Trias ab. In den Wiederholungsstunden kehrt es als rahmender Schlusston wieder.

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