Berner Stunde
Einleitung – die Freie Hochschule als modernes Mysterium
Meine lieben Freunde! Seit der Weihnachtstagung soll ein esoterischer Grundimpuls durch die ganze Anthroposophische Gesellschaft gehen; das Esoterische wird vertieft in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum gepflegt, die ein modernes Mysterium sein will. Die erste Klasse ist ein Anfang. Mitgliedschaft zur Schule verlangt, wirklicher Repräsentant der anthroposophischen Sache zu sein – wechselseitige Freiheit zwischen Mitglied und Leitung. Diese Berner Stunde steht isoliert da (für die, die nicht nach Dornach kommen können).
Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das .
Weltenwort
Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›mehr
Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde. Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Der Hüter der Schwelle – die Schwelle zwischen Nichterkennen und Erkennen
Durch alles esoterische Streben geht die Aufforderung zur . Wer sich in die Ruhesterne, die Wandelsterne und die Elemente (Erde, Wasser, Luft, Feuer) vertieft, hört das Weltenwort. An der bemerkt der Mensch: die ist schön, gross, erhaben, doch er findet seine Wurzel nicht darin; drüben, wo Finsternis waltet, ist das wahre Licht. Dort steht der Schwelle, an dem man vorbei muss; ohne ihn ist keine wirkliche Erkenntnis möglich.
Selbsterkenntnis
Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.mehr
GA 270b, Zwölfte Stunde.Schwelle
Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.mehr
Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›Sinneswelt
Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.mehr
GA 270b, Sechzehnte Stunde.der Hüter
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›‹Erkenne erst den ernsten Hüter …› (frühe Berner Fassung; vgl. App 13.2)
Erkenne erst den ernsten Hüter,
Der vor des Geisterlandes Pforten steht,
Den Einlaß deiner Sinnenkraft
Und deines Verstandes Macht verwehrend,
Weil du im Sinnesweben
Und im Gedankenbilden
Aus Raumeswesenlosigkeit,
Aus Zeiten Truggewalten
Des eignen Wesens Wahrheit
Dir kraftvoll erst erobern mußt.
Die drei Tiere, die Dreiheit jenseits der Schwelle, die Mysteriengrade
Im Hinuntertauchen ins Irdische taucht der Mensch in die Vererbungskräfte; Wollen (Triebe), Fühlen (Zweifel) und das tote Denken (Leichnam des vorgeburtlich lebendigen Denkens, der Leib sein Sarg) erscheinen als drei Tiere. Im physischen Leben sind Denken, Fühlen, Wollen ineinander verwoben; jenseits der Schwelle trennen sie sich, der Mensch wird eins mit der Welt – zwischen Denken und Fühlen die Sonne, zwischen Fühlen und Wollen der Mond als sein Inneres. Steiner schildert die alten Mysteriengrade (Naturwissenschaft als Erinnerung ans Vorirdische; Geometrie/Rechnen; das Nicht-nach-Blut-Dürsten; den Christophorus-Grad; die Chemie der geistigen Stoffwesenheit).
Die Lehre des Hüters – Elemente, Wandelsterne, Ruhesterne
Eine Formel soll gegeben werden, durch die man sich bereitet, über die Schwelle zu dringen. Man denke sich als ganzes Tastorgan: ertasten, wie Erdenkräfte Stütze sind; erleben, wie Wasserwesen Bildner sind (die Bildekräfte des Ätherleibs); erfühlen, wie Luftgewalten Pfleger sind (im Atmen); erdenken, wie Feuermächte Helfer sind (im Wärmewesen). Steigerung von ‹Stütze› über ‹Bildner›, ‹Pfleger› zu ‹Helfer›; von ‹ertaste› über ‹erlebe›, ‹erfühle› zu ‹erdenke›. Dann vom Elementenreich zu den Wandelsternen (Seele) und Ruhesternen (Geist).
‹O Mensch, ertaste …› (Berner Fassung mit Schlussvariante ‹des Himmels Hüter›; vgl. App 9.1)
O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.
O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.
O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,
Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
(Erde – Wasser – Luft – Feuer)
O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende .
Mächte
‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.mehr
‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.› O Mensch, erwese dich durch den Weltenkreis.
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
O Mensch, erschaffe dich durch des Himmels Hüter.
Schlusswiederholung – das Weltenwort
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Schlusswiederholung – ‹O Mensch, ertaste …› (hier: ‹durch die Himmelshüter›)
O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.
O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.
O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen,
Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
(Erde – Wasser – Luft – Feuer)
O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende Mächte.
O Mensch, erwese dich durch den Weltenkreis.
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelshüter.