Mantren 10 Leib in neuer Umgebung Zeuget mich

Der Mensch erlebt meditierend:

Ich lebe in dem finstren Erdbereich.Ich webe in dem Schein der Sterne.Ich lese in der Geister Taten.Ich höre in der Götter Sprache.

Der Mensch hört aus Geistestiefen und antwortet aus dem Herzen – ein Zwiegespräch:

Ich lebe in dem finstren Erdbereich,Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis.Ich webe in dem Schein der Sterne,Tröstend ist mir der Sterne Schein.Ich lese in der Geister Taten,Lehrend sind mir der Geister Taten.Ich höre in der Götter Sprache,Schaffend ist mir der Götter Sprache.

Der Mensch bekräftigt das Zwiegespräch aus dem Willen:

Ich lebe in dem finstren Erdbereich,Sehnend stimmt mich der Erde Finsternis,Der Erde Finsternis verlöschet mich.Ich webe in dem Schein der Sterne,Tröstend ist mir der Sterne Schein,Der Sterne Schein erwecket mich.Ich lese in der Geister Taten,Lehrend sind mir der Geister Taten,Der Geister Taten rufen mich.Ich höre in der Götter Sprache,Schaffend ist mir der Götter Sprache,Der Götter Sprache zeuget mich.

Hinweis zu 10.1

Mantram – Ich lebe in dem finstren Erdbereich

Aus Geistestiefen tönt es, das Herz antwortet, der Wille bekräftigt: Ich lebe im finstren Erdbereich, webe im Schein der Sterne, lese in der Geister Taten, höre in der Götter Sprache – und werde zurückgeführt ins vorige Erdenleben.

Einziges, aber dreischichtig gebautes Mantram der Zehnten Stunde. Es führt vom blinden Leben in der Erdenfinsternis über das Weben im Sternenschein zum Lesen der Geistestaten und Hören der Göttersprache. Der erste Teil (Zeilen 1–4) wird wie aus Geistestiefen gehört; der zweite (5–8) ist die Antwort des Herzens (sehnend, tröstend, lehrend, schaffend); der dritte (9–12) der bekräftigende Wille: ‹Der Erde Finsternis verlöschet mich – Der Götter Sprache zeuget mich.› Im Unterbewussten macht die Seele dabei einen Gang zurück bis ins vorige Erdenleben; das durchsetzt die Meditation mit einem inneren ‹Zaubergefühl›, das ganz unabhängig von der Körperlichkeit erlebt wird.

  • Die Zehnte Stunde eröffnet GA 270b und damit die Gruppe ‹Leib in neuer Umgebung›. Steiner gibt nur ein Mantram, entwickelt es aber in drei Schichten, die nacheinander meditiert werden: zuerst das innere Schauen der vier Zeilen, dann das Zwiegespräch, schliesslich der bekräftigende Wille.
  • Der Weg führt von der robusten sinnlichen Wirklichkeit, in der man ‹blind, wie im Finstern tappend› lebt, hinaus in den Schein des Kosmos. Aus innerer Verehrung des Sternenhimmels verschwinden die äusseren Sternbilder und der Himmel wird zur Imagination; man liest ihn ‹von der anderen Seite›, wie Moses Gott nur von hinten ansehen durfte. Aus dem Lesen wird ein Hören – dann sprechen die Götter.
  • Die Deutung enthüllt das eigentliche Geheimnis: Während man glaubt, nur in der physischen Welt zu sein, wird die Seele bis ins vorige Erdenleben zurückgeführt. ‹Der Erde Finsternis verlöschet mich› löscht das gegenwärtige Bewusstsein aus, weil man durch den Bereich zwischen Tod und neuer Geburt geht; ‹Der Götter Sprache zeuget mich› heisst: was aus dem vorigen Erdendasein hereinwebt, macht mich zum seienden Menschenwesen. Die Wandtafel der Stunde (Hinausweben in den Sternenschein) dient als Meditationshilfe.

Der Götter Sprache zeuget mich – bringt mich hervor, zeuget mich.

GA 270b, Zehnte Stunde (25.4.1924), S. 20
GA 270i, Tafel zur Zehnten Stunde (25.4.1924)
Zehnte Stunde · Dornach · 1924-04-25 · GA 270b, S. 15–21 Wiederholung in Stunde 20

Zwölf Zeilen in drei Vierergruppen; die Zeilen 1–5, 2–6, 3–7, 4–8 werden paarweise durch Bögen verbunden, Zeile 9–12 an diese Bögen geschrieben.

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