Mantren Dritte Stunde Dornach · 1924-02-29 · GA 270a, S. 67–91

Dritte Stunde

Dornach · · GA 270a, S. 67–91

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Einleitung

Beginnen wir, meine lieben Freunde, mit jenen uns schon bekannten Worten, die – gewissermaßen die Richtung ins Geistige andeutend –
der Hüter Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.
mehr Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›
spricht zur Charakteristik desjenigen, was der Mensch empfinden kann an der
Schwelle Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.
mehr Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …›
zur geistigen Welt, wenn er an dem Hüter vorbeischreitet:
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Das Daseinswort (Wiederholung)

Aus den Weiten der Raumeswesen,
Die im Lichte das Sein erleben,
Aus dem Schritte des Zeitenganges,
Der im Schaffen das Wirken findet,
Aus den Tiefen des Herzempfindens,
Wo im Selbst sich die Welt ergründet:
Da ertönet im Seelensprechen,
Da erleuchtet aus Geistgedanken
Das aus göttlichen Heileskräften
In den Weltengestaltungsmächten
Wellend wirkende Daseinswort:
O, du Mensch, erkenne dich selbst.
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Auch im Gedanken-Nacherleben gültig

Es handelt sich ja zunächst darum, dass der Mensch im Gedanken nachgeht die Wege, die gegangen werden, wenn der Zugang gesucht wird in die geistige Welt. Und man darf nicht etwa sagen, wenn irgend jemand in seinen Gedanken nacherlebt, was der Einzuweihende durchmacht in der Wirklichkeit beim Eintritt in die geistige Welt, dass der Nachdenkende – wenn er ehrlich und ernst lebt in seinen Gedanken – nicht mitmachte, wenn auch nur im ideellen Abglanz, dasjenige, was eben sich für die Menschenseele offenbart beim wirklichen Eintritt in die geistige Welt.
Daher ist dasjenige, was ich heute zu Ihnen sprechen werde, meine Lieben, nicht etwa bloß für denjenigen gesprochen, der mit seinem Gemüte jene Umwandlung sucht, die ihn in die geistige Welt hineinstellt, sondern es ist auch für denjenigen gesprochen, der diese Umwandlung zunächst nur in seinen Gedanken erlebt. Und das wollen Sie ja im Grunde alle, sonst würden Sie nicht hier sitzen.
Wenn der Mensch in der
Sinneswelt Die Welt der Sinne, sofern sie als das Eigentliche genommen wird. Der Weg der Klasse geht aus dem ‹Reich der Illusion, im Reiche der Maja› hinüber.
mehr GA 270b, Sechzehnte Stunde.
seine Beobachtungen macht – das Leben besteht aus solchen Beobachtungen –, wenn der Mensch aus der Beobachtung zur Tat übergeht und dasjenige auf sein Gemüt wirken lässt im Fühlen, was sich aus Tat und Gedankenbeobachtung zusammensetzt, dann steht der Mensch, weil ihm das nun einmal als physisches Erdenwesen zwischen der Geburt und dem Tode eingepflanzt ist, auf einem gewissermaßen sicheren Boden. Er fragt: Welche Erfahrung beweist dieses oder jenes? Es ist ja durch die Welt selbst, durch die Weltordnung, eine gewisse Sicherheit im menschlichen Leben. Und weil diese Sicherheit ist, unterscheidet der Mensch zwischen Wahrheit und Illusion, Wahrheit und Schein, Wahrheit und Traum.
Bitte stellen Sie sich einmal vor, meine lieben Freunde, Sie gingen durch das gewöhnliche sinnliche Leben so, dass Sie niemals recht wissen könnten, ob irgend etwas, was Ihnen entgegentritt, Wahrheit oder Illusion ist. Denken Sie nur, welche furchtbare Unsicherheit in das Leben hineinkäme! So aber ist es, wenn zunächst der Schüler an der Schwelle der geistigen Welt steht.
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Unterscheidungsvermögen für Wahrheit und Schein

Wir haben ja gesehen: zunächst strömt nur Finsternis aus dieser geistigen Welt heraus. Bei der ersten Erfahrung ist es so, dass Sie mit all dem, was Sie sich in der physischen Welt an Sinnes- und Verstandeserkenntnis errungen haben, niemals unterscheiden können, ob Sie ein wirkliches geistiges Wesen, eine wirkliche geistige Tatsache, oder aber ein Traumgebilde vor sich haben.
Das ist die allererste Erfahrung gegenüber der geistigen Welt, dass sich Schein und Wirklichkeit ineinandermischen, und die Unterscheidung zwischen beiden zunächst ganz problematisch ist. Das sollte auch sehr berücksichtigen derjenige, welcher nicht in regelmäßigem Schülergange, sondern wie durch elementarische Kräfte – aus erschütternden Ereignissen, aus Krankheit und so weiter – diese oder jene Impressionen aus der geistigen Welt erlebt. Er sollte sich nicht von vornherein vormachen: Nun hast du die geistige Welt; denn es könnte sehr wohl sein, dass dasjenige, was sich da aufblitzend zeigt, eine bloße Illusion ist.
Daher ist das erste, was man lernen muss, um in die geistige Welt eintreten zu können in rechter Weise, das von allem, was man in der physischen Welt erfährt, unabhängige Unterscheidungsvermögen für Wahrheit und Irrtum, für Wirklichkeit und Illusion. Und es ist auf diesem Gebiete der allerallergrößte Ernst notwendig.
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Die Dreispaltung an der Schwelle

Wenn Sie sich auf einen Stuhl setzen, wissen Sie: der Stuhl ist ein wirklicher Stuhl, nicht bloß ein vorgestellter. Das alles ist in der geistigen Welt nicht so da. In der physischen Welt ist das aus dem Grunde so, weil dort Ihr Denken, Ihr Fühlen, Ihr Wollen durch den physischen Körper als eine Einheit getragen wird. Sie sind ein dreigliedriger Mensch: ein denkender, ein fühlender, ein wollender Mensch – aber das alles ist ineinandergefügt durch den physischen Leib.
In dem Augenblicke, wo der Mensch in die geistige Welt hineintritt, da wird er sogleich ein dreifaches Wesen. Sein Denken geht eigene Wege, sein Fühlen geht eigene Wege, sein Wollen geht eigene Wege. Sie können in der geistigen Welt Gedanken haben, die gar nichts zu tun haben mit Ihrem Wollen; dann aber sind diese Gedanken Illusionen. Sie können Gefühle haben, die nichts zu tun haben mit Ihrem Wollen; dann sind diese Gefühle etwas, was zu Ihrer Vernichtung beiträgt.
Das Denken fliegt in die Weltenweiten; das Fühlen geht hinter die Erinnerungen, hinter die Geburt zurück, ganz heraus aus der miterlebten Zeit; und das Wollen führt noch weiter zurück, in die vorigen Erdenleben. Der Zusammenhalt des physischen Leibes hört auf. Man fühlt sich nicht mehr in den Grenzen seiner Haut eingeschlossen, man fühlt sich zerteilt. Diese Spaltung des menschlichen Wesens – ich habe sie beschrieben in meinem Buche ‹Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?› – macht die Schwierigkeiten beim Betreten der geistigen Welt.
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Ehrliche Meditation und die niedere Natur

Wenn der Mensch beginnt zu meditieren, möchte er diese Meditation in möglichster Gleichgültigkeit ablaufen lassen; er möchte nicht, dass ihn die Meditation herausreißt aus der Behaglichkeit des Lebens. Dieser Trieb ist ein starker Illusionserzeuger. Denn gibt man sich restlos ehrlich der Meditation hin, dann kommt notwendig herauf aus den Tiefen der Seele die Empfindung: Was ist eigentlich alles an Anlage zu Bösem in dir!
Die wirkliche Erfahrung als Folge der Meditation zeigt einem, wie man beseelt sein kann von allen möglichen Eitelkeiten, vom Überschätzen des eigenen Wesens und Unterschätzen des Wesens der anderen. Derjenige, der wirklich ehrlich meditiert, wird sehen, welche Triebe in seiner Seele eigentlich leben, zu was allem er eigentlich fähig wäre. Diese Ehrlichkeit muss im Meditieren sein. Und wenn diese Ehrlichkeit da ist, dann spiegelt sich dasjenige, was eigentlich im Willen alles veranlagt ist, in den Worten:
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Erstes Tier (Wiederholung)

Schau das erste Tier, den Rücken krumm,
Knochenhaft das Haupt, von dürrem Leib,
Ganz von stumpfem Blau ist seine Haut;
Deine Furcht vor Geistes-Schöpfer-Sein
Schuf das Ungetüm in deinem Willen;
Dein Erkenntnismut nur überwindet es.
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Und weil der Mensch durch einen Hang, sich darüber einer Illusion hinzugeben, den notwendigen Eindruck der Meditation hinunterwürgt, deshalb entsteht jenes innerliche Aufstacheln, das Spottenwollen über die geistige Welt. Nur aus diesen Gegenkräften kann das ehrliche Drinnenstehen in der geistigen Welt hervorgehen. Dann tritt der Anblick des zweiten Tieres auf an der Schwelle:
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Zweites Tier (Wiederholung)

Schau das zweite Tier, es zeigt die Zähne
Im verzerrten Angesicht, es lügt im Spotten,
Gelb mit grauem Einschlag ist sein Leib;
Dein Hass auf Geistes-Offenbarung
Schuf den Schwächling dir im Fühlen;
Dein Erkenntnisfeuer muss ihn zähmen.
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Und das ist es, was uns – aus der Ohnmacht, unsere Menschengedanken zu Weltgedanken aufzuschwingen – als das dritte Tier erscheint:
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Drittes Tier (Wiederholung)

Schau das dritte Tier, mit gespaltnem Maul,
Glasig ist sein Auge, schlaff die Haltung,
Schmutzigrot erscheint dir die Gestalt;
Dein Zweifel an Geistes-Licht-Gewalt
Schuf dir dies Gespenst in deinem Denken;
Dem Erkenntnisschaffen muss es weichen.
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Je weniger wir uns einer Illusion hingeben über diese Dreiheit, die unser eigenes Wesen spiegelt, desto mehr gehen wir ein in jene Stätte, wo wir das in uns finden, was der wahre Mensch ist, der das Licht aus der geistigen Welt empfangen kann, der nun wirklich jenes Rätsel zu lösen in der Lage ist, das uns aufgegeben wird mit den Worten: ‹O du Mensch, erkenne dich selbst!› Denn aus dieser
Selbsterkenntnis Der Ausgangspunkt der Klasse, gefaßt im Wort ‹O Mensch, erkenne dich selbst!› — kein Brüten ins Innere, sondern ‹ausführliches Gespräch mit Welt, Hüter und Hierarchien›.
mehr GA 270b, Zwölfte Stunde.
quillt die wahre Welterkenntnis. Daher durfte diese Dreispaltung – wo das Denken seinen Weg geht, das Fühlen seinen Weg geht, das Wollen seinen Weg geht – mit den Worten zitiert werden, die der Hüter der Schwelle spricht:
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Hüterspruch – Des dritten Tieres glasig Auge

Des dritten Tieres glasig Auge,
Es ist das böse Gegenbild
Des Denkens, das in dir sich selbst
Verleugnet und den Tod sich wählet,
Absagend Geistgewalten, die es
Vor seinem Erdenleben geistig
In Geistesfeldern lebend hielten.
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Hüterspruch – Des zweiten Tieres Spottgesicht

Des zweiten Tieres Spottgesicht,
Es ist die böse Gegenkraft
Des Fühlens, das die eigne Seele
Aushöhlet und Lebensleerheit
In ihr erschafft statt Geistgehalt,
Der vor dem Erdensein erleuchtend
Aus Geistessonnenmacht ihr ward.
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Hüterspruch – Des ersten Tieres Knochengeist

Des ersten Tieres Knochengeist,
Er ist die böse Schöpfermacht
Des Wollens, die den eignen Leib
Entfremdet deiner Seelenkraft
Und ihn den Gegenmächten weiht,
Die Weltensein dem Göttersein
In Zukunftzeiten rauben wollen.
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Was wir tun sollen – drei neue Sprüche

Das sind die Worte, die als Ermahnung des Hüters gesprochen werden, so dass wir erkennen, wie wir nicht in die geistige Welt eintreten sollen. Wir müssen beim Eintritt in die geistige Welt uns eine andere Art zu urteilen, zu fühlen, zu wollen angewöhnen, als sie in der physischen Welt herrschend sind. Es ist schon so, dass die Götter vor dem höchsten Erkenntnisglück die Überwindung aufgerichtet haben und sie fordern.
Deshalb schließt der Hüter unmittelbar an die entmutigenden Worte die anderen an, die uns sagen, was wir tun sollen. Dreigliedrig soll wiederum der Spruch sein, der so in uns hineinströmen soll, dass wir mit ihm leben können. So wie wir essen und trinken, so wie wir schauen und hören, so soll etwas in uns erregt werden durch dasjenige, was uns der Hüter der Schwelle sagt. Und er sagt zunächst in der ersten Strophe:
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Erster Spruch (Denken) – ‹Sieh in dir Gedankenweben›

Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.
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Lösen wir den Spruch auf: So wie sich der Mensch in der physischen Welt an Atem, Blutzirkulation und die Bewegungen der Gliedmaßen hingibt, die ihn durch die Welt führen, so muss er sich den führenden Mächten der geistigen Welt mit seiner Seele hingeben, wenn er an der geistigen Welt Anteil haben will. An Blut und Atem sind Sie hingegeben durch Naturgewalt; nicht so können Sie hingegeben sein an Ihr Führerwesen in der geistigen Welt – da müssen Sie mit innerer Aktivität ankommen, und die erreichen Sie, indem Sie es zu verehren verstehen, mit dem Tiefsten, was in Ihnen wurzelt, mit Ihrem Selbstheitsein.
Sie stehen in der geistigen Welt dadurch drinnen, dass Sie in dem halb geistigen Ätherwesen sich fühlen, dass das Ätherwesen wie weht durch Sie – wie wenn man selber ein Wölkchen wäre und ringsherum überall Geisteswind wehte. In das unterzutauchen werden wir aufgefordert; nur müssen wir untertauchen mit dem vollen Bewusstsein, dass dieses Windeswehen zunächst ‹Schein› ist. Im Erdenleben haben wir nur ein unbestimmtes, dunkles Gefühl von unserem Ich; ‹Selbstheitsein› verbirgt sich uns. Und dasjenige, was man in den Gedanken erfasst, ist nicht Weltensein, ist Weltenschein. Das alles wird uns, wenn wir der Aufforderung des Hüters nachkommen, das eigene Gedankenweben.
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Zweiter Spruch (Fühlen) – ‹Vernimm in dir Gefühle-Strömen›

Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.
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Sehen Sie ab vom Denken und versuchen Sie, den Blick in Ihr eigenes Fühlen zurückzuwenden. Im Denken ist alles nur Schein. Wenn wir in die Gefühle hinuntersteigen, da mengen sich Schein und Sein. Allein unser Ich, die Selbstheit, will nicht in das Sein; sie ist gewöhnt an den äußeren Schein der Sinne und neigt dem Scheine sich zu. ‹So tauche unter in scheinendes Sein› – da ist der Weg, wo wir schon fühlen werden: es wird ernst, wir tauchen in das Sein unter. Vorerst sollte die Selbstheit ‹verehren›, indem sie sich ins Denken versenkt; jetzt soll die Selbstheit ‹bedenken›. Der Gedanke soll hinuntergetragen werden ins Gefühl. Nicht mehr ‹Schein›, jetzt sind ‹Lebensmächte› da. Die Götter geben uns, während unser Ich sich dem Scheine neigen möchte, in den Tiefen des Fühlens den Fels des Seins.
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Dritter Spruch (Wollen) – ‹Laß walten in dir den Willens-Stoß›

Laß walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.
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Das dritte, worinnen wir untertauchen müssen, das ist das Wollen. ‹Der› ist hier kein Artikel, sondern ein Relativ: ‹welcher› steigt aus allem Scheineswesen mit Eigensein erschaffend auf – aus dem Willen erkraftet sich auf, steigt auf dasjenige, was dem Eigensein Substanz, Inhalt gibt. Fühlen Sie die Steigerung: ‹verehren› – man ist fern, man schaut auf, man verehrt von außen; ‹bedenken› – man nähert sich mit den Gedanken, man tritt schon ein; ‹ergreifen› – die höchste Steigerung, man tritt heran und nimmt es an sich. Ebenso: ‹Führerwesen›, ‹Lebensmächte› und jetzt ‹Weltschöpfermacht›, entsprechend der unmittelbaren Kraftwirkungsweise des Willens.
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Trochäus – Jambus – Spondeus

Es handelt sich nicht bloß darum, verstandesmäßigen Inhalt in die Seele zu bekommen, sondern darum, dass die Seele in das richtige Atmen und in den richtigen Rhythmus des Weltendaseins hineinkommt. Der erste Spruch hat einen deutlichen trochäischen Einschlag (stark–schwach betont) – das ist das richtige Ätherweben der Seele, in das nur die Verehrung der höheren Wesen hineinzutönen braucht. Der zweite Spruch hat einen deutlichen jambischen Einschlag (schwach–stark). Der dritte Spruch hat spondäischen Gang (zwei betonte Silben überall).
Wenn Sie einen jambischen Rhythmus für das Hineinstreben in das Weltendenken anwenden, haben Sie den Hüter der Schwelle missverstanden; ebenso, wenn Sie für die Gefühlswelt einen trochäischen statt jambischen Spruch anwenden. In dem Augenblicke, wo wir vom Verstandessinn in die Hingabe an den Rhythmus hineinkommen, haben wir die Möglichkeit, die physische Welt zu verlassen und wirklich in das Geistige hineinzukommen; denn das Geistige begreift sich gerade, wenn wir den Rhythmus dieser sinngeprägten Worte hinaustragen in das Weben im Weltensein. So wird auf die Seele in dreifachem Schritt das Selbstanschauen von Denken, Fühlen und Wollen wirken gelassen.
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Mit den Worten haben Sie erst das Blut; mit den Worten in den entsprechenden Rhythmen haben Sie das Blut in Zirkulation. Suchen Sie den Sinn dieser Rhythmen, lassen Sie ihn walten im seelischen Leben, und Sie werden sehen, wie Sie sich demjenigen nähern, was als erste Mahnung vom Hüter an uns herandringt und was ich im Beginne dieser Stunden Euren Seelen mitgeteilt habe:
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Schlusswiederholung – ‹Wo auf Erdengründen …›

Wo auf Erdengründen, Farb' an Farbe,
Sich das Leben schaffend offenbart;
Wo aus Erdenstoffen, Form an Form,
Sich das Lebenslose ausgestaltet;
Wo erfühlende Wesen, willenskräftig,
Sich am eignen Dasein freudig wärmen;
Wo du selbst, o Mensch, das Leibessein
Dir aus Erd' und Luft und Licht erwirbst:
Da betrittst du deines Eigenwesens
Tiefe, nachtbedeckte, kalte Finsternis;
Du erfragest im Dunkel der Weiten
Nimmer, wer du bist und warst und werdest.
Für dein Eigensein finstert der Tag
Sich zur Seelennacht, zum Geistesdunkel;
Und du wendest seelensorgend dich
An das Licht, das aus Finsternissen kraftet.
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Und wollen wir uns wenden an das Licht, das aus Finsternissen kraftet, wir finden es, wenn wir es auf diesem dreifachen Schritte suchen, uns durchdringend mit diesem seelischen Lebensblute in der Seele, die da sein will auf dem Weg zur wirklichen Geistes- und Gottes-Erkenntnis.

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