Fünfzehnte Stunde
Einleitung
Meine lieben Freunde! Wir beginnen auch heute mit dem mantrischen Spruch, der dem Menschen von allen Seiten der Weltvorgänge entgegentönt – das .
Weltenwort
Das schöpferische Wort, das aus dem Weltenall an den Menschen herantönt. Eröffnet jede Klassenstunde mit ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›mehr
Anders als das Menschenwort, in dem Menschendenken spricht, spricht im Geistes-Weltenwort das Weltendenken. Die Seraphine sprechen es als Feuersprache, ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde.Das Weltenwort – ‹O Mensch, erkenne dich selbst!›
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.
Zusammenhang – der Abgrund und der Hüter
Da verschiedene Klassenmitglieder erschienen sind, die vorher nicht teilgenommen haben, sei der Zusammenhang gerafft: Vor der wahren Erkenntnis tut sich ein auf zwischen der Welt, in der wir leben, und der Welt, aus der wir urständen; jenseits stellt sie sich zunächst als schwärzeste Finsternis dar. Das erste Wesen am Abgrund ist der , der uns davor bewahrt, unreif einzutreten, und der uns zugleich das einzige Tor der Erkenntnis ist. Wir sollen die sichtbare Welt nicht asketisch verachten, aber gewahr werden, dass unser höchstes Sein in keinem Naturreich zu finden ist.
Abgrund
Der Spalt zwischen Sinneswelt und Geisteswelt, an dem der Hüter steht. Über ihn kann nur das geistig-seelische Wesen schreiten.mehr
Mantram ‹Wo auf Erdengründen …›: ‹Vor ihm breiten sich die Sinnesfelder, / Hinter ihm, da gähnen Abgrundtiefen.›der Hüter
Geistige Wesenheit, die am Übergang von der Sinneswelt in die geistige Welt steht. Sie stellt prüfende Fragen — die Mantren der Klasse sind oft Frage des Hüters und Antwort der Hierarchien.mehr
Der Hüter ist nicht Hindernis, sondern Mahnender. Er macht den Menschen darauf aufmerksam, daß er, will er die Schwelle übertreten, sein Denken, Fühlen und Wollen verwandeln muß. In den Mantren tritt er sprechend auf: ‹Der Hüter spricht …› — und es antworten Angeloi, Exusiai, Throne und so weiter. In späteren Stunden ‹spricht der Hüter aus der Ferne›, weil der Schüler an ihm vorbeigeschritten ist. GA 270b, Dreizehnte Stunde: ‹Der Hüter der Schwelle stellt die prüfend-mahnende Frage an uns. Die Hierarchien antworten.›Schwelle
Der Übergang zwischen Sinneswelt und geistiger Welt. Vor ihr liegt der ‹Abgrund› — die Stütze des physischen Bewußtseins hört auf.mehr
Bevor der Mensch in das Reich der Erkenntnis eintritt, kommt er an einen Abgrund, der sich zunächst als Bodenloses darstellt. Man kann ihn nur übersetzen, wenn einem ‹symbolisch gesprochen Flügel wachsen› — wenn man sich vom Physischen befreit. GA 270b: ‹Dabei bemerkt der Mensch, daß er, bevor er in das Reich der Erkenntnis eintritt, an einen Abgrund kommt …› In der letzten Stunde standen wir vor der Situationsmeditation: jenseits des Abgrundes, unter den Ermahnungen des Hüters, der für jedes Element (Erde, Wasser, Luft, Feuer) fragt. In uns formt sich die Antwort dreifach – von Christus die rechte (eins-sein mit der Geistwelt, solange wir drüben sind, und als rechter Erdenmensch zurückkehren), von Luzifer das Drinnenbleiben-Wollen, von Ahriman das Herüberreissen ins Physische.
Das Schwellengespräch (Wiederholung) – Erde, Wasser, Luft, Feuer
Wo ist der Erde Festigkeit, die dich stützte?
Ich verlasse ihren Grund, so lang der Geist mich trägt.
Ich fühle wonnig, daß ich fortan der Stütze nicht bedarf.
Ich will durch Geistes Kraft fester noch sie hämmern.
Wo ist des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang?
Mein Leben verlöscht sie, so lang der Geist mich formt.
Mein Leben zerschmilzt sie, daß ich erlöst von ihr werde.
Mein Leben befestigt sie, daß ich sie ins Geistgebiet versetze.
Wo ist der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte?
Meine Seele atmet Himmelsluft, so lang der Geist um mich besteht.
Meine Seele achtet ihrer nicht in Geistes Seligkeit.
Meine Seele saugt sie auf, daß ich göttlich schaffen lerne.
Wo ist des Feuers Reinigung, die dir das Ich erflammte?
Mein Ich lodert im Gottesfeuer, so lang der Geist mich zündet.
Mein Ich hat Flammenmacht durch Geistes Sonnenkraft.
Mein Ich hat Eigenfeuer, das rein durch Selbstentfaltung flammt.
Die drei Stimmen – Christus, Luzifer, Ahriman
So fühlen wir uns jenseits des Abgrundes, der Hüter mahnend zur Seite, in uns die Stimmen, die nach verschiedenen Seiten zerren: Luzifer und Ahriman, und die Stimme des Christus, der den rechten Weg zeigt. Wir müssen uns meditierend allen drei Stimmen aussetzen und werden gerade dadurch, dass wir im tiefsten Innern aufgerufen werden, so weit befreit, dass wir das geistige Element wirklich als das unsrige haben können.
Fühlen lernen unter den Hierarchien wie unter den Naturreichen
Heute knüpfen wir an diese Situation an: jenseits der Schwelle, noch im Finstern, lernen wir erst fühlen, bevor wir schauen lernen. Dazu müssen wir gegenüber den höheren so fühlen lernen wie hier gegenüber den drei Naturreichen: Das Mineralische (Salzgehalt), das Pflanzliche (Wachstumskräfte), das Tierische (Astralisches, Atmung) tragen wir in uns. Mit unserem ätherisch-physischen Wesen gehören wir den drei Naturreichen an – mit unserem geist-seelischen Wesen den drei Hierarchien. So wie wir uns als Sinnesmensch unter Sinneswesen wissen, müssen wir uns als geist-seelischer Mensch unter geist-seelischen Wesenheiten wissen lernen.
Hierarchien
Neun geistige Wesensordnungen, in drei Gruppen zu je drei. In den Mantren antworten sie auf die Fragen des Hüters.mehr
Erste Hierarchie (höchste, der Erde am fernsten): Throne, Cherubine, Seraphine. Zweite: Kyriotetes, Dynamis, Exusiai. Dritte (dem Menschen nächste): Archai, Archangeloi, Angeloi. Im Mantram zum Wärmeelement antworten sie chormäßig in Quer-Verbindungen — Angeloi-Exusiai-Throne als ein Chor. GA 270b, Dreizehnte Stunde.Hierarchien-Mantram – ‹Was wird aus der Erde Festigkeit› (dritte / zweite / erste Hierarchie)
Was wird aus der Erde Festigkeit, die dich stützte?
Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden.
Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben.
Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.
Was wird aus des Wassers Bildekraft, die dich durchdrang?
Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.
Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.
Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.
Was wird aus der Lüfte Reizgewalt, die dich erweckte?
Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein.
Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben.
Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht.
Angeloi im Denken, Exusiai im Schaffen, Seraphine im Licht
Der Hüter fragt für Erde, Wasser, Luft (das Feuer folgt in der nächsten Stunde), und es antwortet je eine Hierarchie. Erde – dritte Hierarchie: die empfinden in unserem Denken, die erleben in unserem Fühlen, die schauen in unserem Wollen (ohne sie würden wir nach allen Seiten in Formlosigkeit zerstieben). Wasser – zweite Hierarchie: (‹Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen›), (Leben), (Geschehen / Sein). Steiner betont, dass jedes Wort exakt zu nehmen ist: dem ‹Welt-Geschehen› steht ‹Körper-Sein› gegenüber, weil wir das Geschehen innerhalb unserer Haut als abgeschlossenes Sein fühlen. Luft – erste Hierarchie: (‹Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein›), (Leben), (‹Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht›).
Angeloi
‹Engel› — die unterste, dem einzelnen Menschen verbundene Wesensordnung der dritten Hierarchie.mehr
Im Mantram zum Element Erde: ‹Angeloi: Empfinde, wie wir in deinem Denken empfinden.› Der Mensch spricht sein Ich durch das Haupt aus; durch dieses Glied wirken die Angeloi, im Hintergrund die dirigierenden Archangeloi. GA 270b, Zehnte Stunde.Archangeloi
‹Erzengel› — leiten Völker und Zeitalter. Sie sprechen im Mantram zum Element Erde an das Fühlen.mehr
‹Archangeloi: Erlebe, wie wir in deinem Fühlen erleben.›Archai
‹Urkräfte› — höchste Stufe der dritten Hierarchie. Im Mantram an das Wollen gerichtet.mehr
‹Archai: Schaue, wie wir in deinem Wollen schauen.› Im dritten Stadium nach dem Tode arbeiten Archai, Kyriotetes und Seraphine an der Ausarbeitung des Karma: ‹Erbitte dir in ew'gen Wesentaten die Geisterlösermächte.› GA 270b, Vierzehnte Stunde.Exusiai
‹Gewalten› — unterste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Erkennen.mehr
‹Erkenne Geistes-Welten-Schaffen im Menschen-Körper-Schaffen.›Dynamis
‹Mächte› — mittlere Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Fühlen.mehr
‹Erfühle Geistes-Welten-Leben im Menschen-Körper-Leben.›Kyriotetes
‹Herrschaften› — höchste Stufe der zweiten Hierarchie. Sprechen an das Wollen.mehr
‹Wolle Geistes-Welt-Geschehen im Menschen-Körper-Sein.›Throne
Unterste Stufe der ersten Hierarchie. In den Wolken offenbaren sie ihr ‹Wesen›.mehr
Tafel-Notiz der Dreizehnten Stunde: ‹Wolken — Throne — Wesen›. Sie tragen den ‹Welten-Leib›, in dem das gedankendurchleuchtete Welten-Geisteswort ruht. Im Mantram: ‹Ergreife wissend Innen-Sein in deinem Gottes-Welten-Sein.› GA 270b, Dreizehnte Stunde.Cherubine
Mittlere Stufe der ersten Hierarchie. In den Blitzen zeigen sie nicht sich selbst, sondern ihre ‹Werkzeuge›.mehr
Tafel-Notiz: ‹Blitze — Cherubine — Werkzeuge›. — ‹Erwarme am Innen-Leben in deinem Gottes-Welten-Leben.›Seraphine
Höchste Stufe der ersten Hierarchie. Sie verbergen sich tief in der Weltenhitze und offenbaren sich nur als ‹Schein›.mehr
Tafel-Notiz: ‹Weltenhitze — Seraphine — Schein›. — ‹Erweck' in dir Innen-Licht in deinem Gottes-Welten-Licht.› Die Seraphine sprechen die Feuersprache des Weltenwortes — ‹flammende Stimme›. GA 270b, Sechzehnte Stunde. Erst wenn dieses Flammenwort der feurigen Seraphine ertönt, verspüren wir, wie aus der eigenen Seele eine Kraft erweckt werden muss: die im Feuer sich zündende Kraft der eigenen Menschenwesenheit – Licht in den zunächst nachtbedeckten geistigen Landen. So steigen wir auf von der dritten Hierarchie (die in uns den Geist entfaltet) über die zweite (die schaffend, lebend, gestaltend wirkt) zur ersten (wo wir eine Stütze des Geistes wiederfinden, die oben und nicht unten ist). Dann ertönt – nicht anders in den Worten, aber anders gefühlt – wiederum das Weltenwort.
Schlusswiederholung – Das Weltenwort
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig.
Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom?
Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrom.